Depressionen: Bewegung kann die Symptome reduzieren, aber nicht bei Frauen.

Viele Experten halten Bewegung für eine wirksame Behandlung von Depressionen. Neue Forschungen werfen jedoch Zweifel an dieser Theorie auf, indem sie zeigen, dass nicht jeder davon profitieren kann.
Frau beim Training
Eine neue Studie untersucht, ob Bewegung depressive Symptome bei Männern und Frauen gleichermaßen lindern kann.
Depressionen sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit die häufigste Ursache für Behinderungen.

Wenn die Erkrankung schwerwiegend und lang anhaltend ist, kann sie sich auf jeden Teil des Lebens einer Person sehr nachteilig auswirken.

Es gibt eine wirksame Behandlung, aber die Forschung hat gezeigt, dass mehr als jede zweite Person mit Depressionen diese nicht erhält.

Mögliche Gründe dafür sind Fehldiagnosen, das wahrgenommene Stigma um die psychische Gesundheit und der fehlende Zugang zu Ressourcen.

Ärzte verschreiben oft Antidepressiva, aber Experten glauben, dass eine einfachere und besser verfügbare Behandlung helfen kann. Bewegung kann genauso effektiv sein wie Antidepressiva, beachten Sie die Harvard Medical School, obwohl sie erkennen, dass Medikamente auch in schweren Fällen notwendig sein können.

Eine neue Studie von Forschern der University of Michigan in Ann Arbor hat jedoch ergeben, dass die Wirkung von Bewegung auf Depressionen bei Männern und Frauen unterschiedlich ist. Die Wissenschaftler untersuchten das Bewegungs- und Schlafverhalten von mehr als 1.100 Menschen, die an der Pekinger Universität in China studierten.

Experten wissen bereits, dass Schlafstörungen ein Merkmal von Depressionen sind und dass Bewegung eine mögliche Behandlung für diesen psychischen Gesundheitszustand ist. In der neuen Studie baten die Forscher die Teilnehmer, drei Fragebögen auszufüllen, in denen sie nach ihren Schlaf-, Bewegungs- und depressiven Symptomen gefragt wurden.

Mann gegen Frau
Die Forscher erwarteten, einen Zusammenhang zwischen Bewegung und Depression zu finden, aber dieser Zusammenhang zeigte sich nur bei männlichen Teilnehmern. Mäßige oder kräftige Bewegung hatte einen positiven Effekt auf Männer, die Symptome einer Depression zeigten.

Frauen mit depressiven Symptomen hingegen profitierten von keinerlei Bewegung.

Der leitende Prüfarzt Weiyun Chen ist der Ansicht, dass die Tatsache, dass nur wenige der Frauen in der Studie an einer hochintensiven Übung teilgenommen haben, dieses Ergebnis erklären könnte. Dies widerspricht jedoch der bisherigen Forschung.

Frühere Studien haben die Ausübung einer niedrigen bis mittleren Intensität als potenzielle Langzeitbehandlung von Depressionen festgelegt. Starke körperliche Aktivität setzt Endorphine frei, aber regelmäßige Bewegung kann zum Wachstum von Nervenzellen führen.

“Bei depressiven Menschen haben Neurowissenschaftler festgestellt, dass der Hippocampus im Gehirn – die Region, die hilft, die Stimmung zu regulieren – kleiner ist”, erklärte Dr. Michael Craig Miller, Assistant Professor of Psychiatry an der Harvard Medical School, 2013. “Bewegung unterstützt das Wachstum von Nervenzellen im Hippocampus, verbessert die Verbindungen der Nervenzellen und hilft, Depressionen zu lindern.”

Zweifel an der Übung aufkommen lassen
Die neueste Studie, die die Forscher im Journal of American College Health veröffentlicht haben, legt nahe, dass weder schwache noch hochintensive Übungen Frauen mit Depressionen zugute kommen.

Dieser Befund könnte entscheidend sein, da Depressionen bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern. In der Studie berichteten 43% der weiblichen Teilnehmer über depressive Symptome, verglichen mit 37% der männlichen Teilnehmer.

Beide Geschlechter zeigten einige Gemeinsamkeiten. So korrelierte beispielsweise schlechter Schlaf mit dem Grad der Depression bei Männern und Frauen.

Die Studienautoren waren überrascht, als sie feststellten, dass die Mehrheit der Teilnehmer nicht von einer Depression berichtete. Nahezu jeder siebte Student erhält eine Depressionsdiagnose, zum Teil weil seine Umgebung dazu neigt, zu Stress und Schlafmangel zu führen.

Forschung gleichberechtigter gestalten
Die Tatsache, dass mehr Frauen über Depressionen berichten, könnte helfen, den Zusammenhang zwischen Depression, Bewegung und Schlaf zu erklären. Menschen mit schwerwiegenderen Symptomen einer Depression können weniger motiviert zum Training sein und eher zu Schlafstörungen neigen. Wie die Studie zeigte, waren diese Personen eher weiblich.

Die Forscher müssen viel mehr tun, um diese Erkenntnisse zu untermauern. Zukünftige Studien müssen Menschen von zahlreichen Standorten auf der ganzen Welt einbeziehen, um zu sehen, ob die Ergebnisse global anwendbar sind. Sie müssen auch Menschen aus verschiedenen Altersgruppen rekrutieren und bewerten.

Geschlechterunterschiede bedeuten auch, dass die Erforschung von Depressionen möglicherweise eine Prioritätensetzung für Frauen erfordern kann, was einige Leute ihr vorgeworfen haben, in der Vergangenheit nicht zu tun.